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  • AutorenbildDora & Pascal

Raus aus der Komfortzone: Unser Leben im Kastenwagen und wie es uns verändert hat


Urlaub im Kastenwagen- das kennen viele. Campingurlaub übers Wochenende oder in den Ferien, das ist toll. Auf seinen eigenen vier Rädern ab ins Vergnügen, fernab von Alltagsstress und jeglichen Sorgen. Das verspricht zumindest die Werbeindustrie und die fleißigen Verkäufer der einzelnen Händler. :) Für uns stand von Beginn an fest, wenn wir uns ein Wohnmobil kaufen, dann wollen wir darin eine Weile leben. Eine feste Wohnung und ein Wohnmobil wäre ohnehin finanziell für uns auf kurz oder lang nicht tragbar gewesen, zumindest nicht in der Konstellation wie wir uns das vorgestellt haben ohne klassischen 9to5 Job.

Wir möchten arbeiten, um das Leben zu genießen und nicht andersherum. Wir leben und reisen mit dem Camper, um verschiedene Kulturen kennenzulernen, um unsere Komfortzone zu verlassen, sich seinen Ängsten zu stellen und um sich weiterzuentwickeln. Raus aus der Leistung und Konsumgesellschaft, wir möchten sprichwörtlich hinter den Tellerrand schauen. Wohin führt der Weg, wenn ich ihn gehe?


Nach fast 70.000 km (Stand August 2023) quer durch Europa mit einer durchschnlittchen Verweildauer von nicht länger als 48h an einem Ort, lieben wir diese Art zu leben nach wie vor.

Diese Art von Lebensstil fordert uns immer wieder aufs Neue heraus unsere Komfortzone zu verlassen. Nicht zu wissen, was einen erwartet, wenn man los fährt, nicht zu wissen wo man die Nacht verbringt, keine festen Muster. Jeder Tag entwickelt sich neu und bringt Neues mit sich- das bedeutet für uns Freiheit.


Wir hatten beide bis dato keinerlei Erfahrung im Bereich Camping oder Wohnmobil: Begriffe wie Freistehen, V/E, Entsorgungsstation, Kassettentoilette, Trockentoilette und Autarkie mussten wir gefühlt im Lexikon nachschlagen, das nennt sich heutzutage googeln.

Getreu dem Motto: Was ich nicht kenne, kann ich kennenlernen.

Wir haben relativ schnell festgestellt, dass diese Art zu reisen wie wir es wollen, mit dem klassischen "Camping" wie man es kennt, wenig gemeinsam hat.

Die klassischen Wohnmobilreisen "Ich buche mir einen Campingplatz und stehe zwischen gefühlt 200 Womos, möglichst nahe der Toilettenhäuser (verstehen wir bis heute nicht) und mache dort 1-2 Wochen Urlaub, um anschließend zum nächsten CP oder heim zu fahren" kam für uns nie in Frage. Wir waren bis Stand heute (August 2023) sage und schreibe 5-6x auf einem CP und das meistens nur zum Wäsche waschen. (bei rund mehr als 700 Nächten im Camper auf die letzten Jahre gerechnet.)

Bei der oft gestellten Frage beim Check-In : "Wie lange möchten Sie bleiben?" fangen wir bereits das Schwitzen an. :D Meine Antwort auf diese Frage: "Bis die Wäsche trocken ist". Das sollte natürlich ein Witz sein, wobei die Antwort bestimmt witzig wäre. Die Mitarbeiter schauten immer etwas irritiert, wenn wir unsere Stellplatzwünsche äußerten: Randplatz, gerne weit weg vom WC Häuschen, möglichst keine direkten Nachbarn, nicht vorne am Strand, gerne etwas im hinteren Bereich mit möglichst weiten Laufwegen zu den Sanitärgebäuden.. Manch einer dachte bestimmt "Wtf? Was wollt ihr hier?" Na Wäsche waschen, sag ich doch und dann nix wie weg.


Wir waren im Campingbereich Neulinge als wir unser Wohnmobil im Juli 2020 bestellt haben, fernab der Empfehlungen ein Fahrzeug für eine längere Zeit zu mieten, um es auszuprobieren (was grundsätzlich sicherlich nicht verkehrt ist). Da wir beide bereits wussten und genaue Vorstellungen hatten von dem was wir wollten, haben wir auch 2 1/2 Jahre später nicht bereut, dass wir diesen Weg eingeschlagen haben. Der Entschluss für eine gewisse Zeit im Wohnmobil zu leben, war ein Mix aus Bauchgefühl und Entschlossenheit: Es hat sich für uns richtig und gut angefühlt, die Entscheidung hat uns eine unglaublichen Motivationsschub verpasst.


Wir fingen an uns sehr intensiv mit den für uns unzähligen Fachbegriffen zu beschäftigen, studierten Zeitungen, Blog Beiträge, Foren Beiträge und schauten etliche Youtube Videos, wir stoßen hier immer öfters auf den Begriff "Vanlife".


Als die ersten Freunde und Bekannte ihre Bedenken äußerten wie zum Beispiel: "Wie stellt ihr euch das vor, ihr könnt doch nicht einfach...", wussten wir, dass wir auf dem richtigen Weg waren unsere Komfortzone zu verlassen, sich unseren Ängsten und den Herausforderungen für unsere Ziele zu stellen. Grenzen setzen wir uns selbst, und oft lassen wir uns durch die Meinung anderer oder äußeren Einflüssen Grenzen setzen.

Erst wenn wir uns darüber bewusst werden und wir anfangen, uns und unsere selbst erschaffenen Grenzen zu hinterfragen, beginnt der Weg zur Veränderung. Du kannst die Veränderung sein! Jederzeit! Jetzt!

Für uns war von Anfang an klar, wir kaufen uns ein Wohnmobil, um darin zu leben, unser Haus aufzulösen und um ein anderes Leben zu führen - rein ins Abenteuer. Wir haben uns natürlich auch unsere Gedanken gemacht und auch sorgenvolle Gedankenangebote bekommen. Diese bremsen einen leider oft bei der Umsetzung seiner Träume aus. Wenn man sich nicht die richtigen Fragen stellt, bekommt man auch oft nicht die Antworten, die einen in seinem Vorhaben weiterbringen.

Wir haben eine grobe Vorstellung gehabt und der Rest ergab sich.

Einen Schritt nach dem anderen gehen, vom Problem zur Lösung

und wenn es keine Probleme zu lösen gab, haben wir versucht, im Kopf keine entstehen zu lassen, z. B. was alles schiefgehen könnte. All das liest sich so als hätten wir die Weisheit mit Löffeln... ihr wisst schon.. nein natürlich nicht.. Das Leben kann oft nur rückwärts verstanden werden und dennoch muss es vorwärts gelebt werden. Eine positive Grundeinstellung in der Gegenwart machte für uns vieles leichter. Zwischen den Umzügen, Wohnungsauflösung und Planung des bevorstehenden Vanlifes waren wir beide in einem klassischen 9to5 Job Vollzeit beschäftigt, unsere 12 jährige Golden-Retriever Hündin war gemütlicher Natur und forderte nicht mehr ganz so lange Spaziergänge ein, auch wenn wir diese immer sehr geschätzt haben.


Nach der Bestellung im Juni 2020 von unserem neuen Zuhause sind wir 2 Monate später aus unserer Doppelhaushälfte in eine Mietwohnung gezogen. Wir wollten uns verkleinern, minimalisieren und Schritt für Schritt unserem Ziel näher kommen. Durch die Verkleinerung des Wohnraums haben wir viel aussortiert, entsorgt, verschenkt und verkauft. Bei jedem Gegenstand, den wir aussortiert haben, fühlte es sich so an, als würden wir immer freier werden und ein Stück Ballast fällt von einem ab. Es machte uns eine Menge Spaß. Wir haben uns immer öfters die Frage gestellt, warum wir gemeint haben so viele unnötige Dinge besitzen zu müssen.

Die Werbeindustrie hatte ganze Arbeit geleistet, und wir haben ab diesem Moment unser Konsumverhalten bewusst hinterfragt und haben für uns festgestellt, dass wir nicht so viele Besitztümer brauchen.


Ein vierblättriges Kleeblatt in einer Hand vor einem Regenbogen, Wasser, Baum und Wohnmobil
Collect moments, not things.

Im Van zu leben ist für uns auf jeden Fall anders als darin Urlaub zu machen. Viele denken, man hat jeden Tag Urlaub und nahezu Nichts zu tun. Wenn es zu schön ist, um wahr zu sein, dann ist es das meistens auch.

Es ist schneller unordentlicher als in einer Wohnung, bzw. einem Haus, dafür auch schneller wieder aufgeräumt. Die alltäglichen "Basics" wie Kochen und der Abwasch nehmen deutlich mehr Zeit in Anspruch, man konzentriert sich mehr auf die "Basics" als in einem normalen Alltag wie die meisten ihn kennen.

Man bekommt ein anderen Bezug zum Wasserverbrauch, man wird sparsamer, versucht möglichst wenig "Frischwasser" aus dem Tank zu nutzen, um möglichst lange autark unterwegs zu sein, mit unseren 100L Frischwassertank können wir ohne auf das tägliche Duschen verzichten zu müssen ca. 6-8 Tage freistehen. Ich denke wir könnten das auf 10 Tage ausdehnen, nach einer Woche Standzeit ist oft irgendwas anderes sowieso "leer", wenn es nicht das Frischwasser oder Trinkwasser ist, dann sind es die Lebensmittelvorräte oder der Strom der uns zum Weiterfahren bewegt, wir stehen allerdings selten länger als 48h an einem Ort. So richtig "Urlaub" haben wir eigentlich bisher nur 1-2x gemacht, seitdem wir im Kastenwagen on the road sind, sprich länger als 48h an einem Ort, um etwas zur Ruhe zu kommen. Denn die vielen Eindrücke wollen am Abend verarbeitet werden. Doch meistens zieht uns unsere Abenteuer und Entdeckungslust innerhalb weniger Tage weiter.

Wir sind sehr dankbar darüber, im Wohnmobil wohnen und leben zu dürfen. Einige Herausforderungen werden schnell wieder mit wundervollen Plätzen und tollen Erlebnissen belohnt. Man ist überall Zuhause, wo man parkt und die Natur gibt uns beiden sehr viel Energie. Wir lieben es, draußen zu sein, um achtsam die Welt um uns herum wahrzunehmen.


Das Gefühl bei der Fahrzeugübergabe war unbeschreiblich, sehr aufregend, aber auch etwas surreal für uns. Man weiß noch gar nicht, was für Erlebnisse man mit diesem Fahrzeug noch haben wird. Wir wussten einfach: Es ist soweit. Unser Traum hat sich verwirklicht und kann sich nun in vollen Zügen entfalten.

Das Leben im Kastenwagen ist sicherlich nicht für jeden geeignet. Für viele ist das Wohnmobil ein geliebtes Urlaubsmobil. Uns gefällt es sehr gut und wir können uns aktuell nichts anderes vorstellen.



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